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·12 Min. Lesezeit·Datenschutz

OpenClaw und Datenschutz: Was du über DSGVO und KI wissen musst

KI-Assistenten sind mächtig — aber wo landen deine Daten? Wir schauen ehrlich hin: Was OpenClaw gut macht, wo die Grenzen liegen und was du für datenschutz-bewussten Betrieb tun kannst.

DSGVO-Grundlagen: Was gilt bei KI-Nutzung?

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) regelt, wie personenbezogene Daten in der EU verarbeitet werden dürfen. Das klingt erstmal abstrakt, wird aber sehr konkret, sobald du einen KI-Assistenten nutzt — denn jede Nachricht, die du an eine KI schickst, ist potenziell eine Datenverarbeitung.

Was sind personenbezogene Daten? Alles, was sich auf eine identifizierbare Person bezieht. Dein Name, deine E-Mail, aber auch Kontexte wie „erinnere mich an meinen Arzttermin am Freitag" — sobald Gesundheitsdaten oder persönliche Details im Spiel sind, wird es DSGVO-relevant.

Die wichtigsten Prinzipien für KI-Nutzung:

  • Zweckbindung: Daten dürfen nur für den angegebenen Zweck verarbeitet werden.
  • Datenminimierung: Nur so viele Daten wie nötig.
  • Speicherbegrenzung: Daten nicht länger aufbewahren als erforderlich.
  • Integrität und Vertraulichkeit: Angemessene Sicherheitsmaßnahmen.
  • Drittlandtransfer: Übermittlung in Nicht-EU-Länder braucht besondere Rechtsgrundlagen (z. B. EU-US Data Privacy Framework).

Gerade der letzte Punkt ist bei KI-Assistenten zentral — und hier wird es für alle Anbieter, einschließlich OpenClaw, komplex.

Wo fließen deine Daten hin?

Transparenz ist uns wichtiger als Marketing. Deshalb hier der ehrliche Datenfluss bei OpenClaw:

Dein GerätOpenClaw-Server (dein Standort)LLM-API (Anthropic US / OpenAI US)

Schritt 1: Du schickst eine Nachricht (z. B. über WhatsApp, Telegram oder die Web-Oberfläche). Diese geht an deinen OpenClaw-Server.

Schritt 2: OpenClaw verarbeitet die Nachricht lokal — prüft Kontext, lädt relevante Dateien, baut den Prompt zusammen.

Schritt 3: Der Prompt wird an den konfigurierten LLM-Provider geschickt. Bei den meisten Nutzern ist das Anthropic (Claude) oder OpenAI (GPT-4). Beide sitzen in den USA.

Das heißt: Auch wenn dein OpenClaw-Server in Frankfurt steht — sobald du Claude oder GPT-4 nutzt, gehen Daten in die USA. Das ist kein OpenClaw-spezifisches Problem, sondern betrifft jeden Dienst, der diese APIs nutzt.

Der Self-Hosting-Mythos: EU-Server ≠ DSGVO-konform

Viele Self-Hosting-Anbieter werben mit „deine Daten bleiben bei dir" oder „DSGVO-konform durch Self-Hosting". Das ist bestenfalls vereinfacht, schlimmstenfalls irreführend.

Was Self-Hosting dir gibt:

  • Volle Kontrolle über den Server, die Logs und den Zugang
  • Keine Abhängigkeit von einem SaaS-Anbieter für die Datenspeicherung
  • Du bestimmst, wer Zugriff hat und wie lange Daten gespeichert werden
  • Chatverläufe und Konfiguration liegen auf deiner Hardware

Was Self-Hosting dir NICHT gibt:

  • Automatische DSGVO-Konformität bei Nutzung von US-APIs
  • Garantie, dass keine personenbezogenen Daten in Drittländer fließen
  • Befreiung von der Pflicht, Verträge mit Auftragsverarbeitern abzuschließen

Wir sagen das so deutlich, weil wir es für wichtig halten. OpenClaw gibt dir mehr Kontrolle als reine Cloud-Dienste — aber „mehr Kontrolle" ist nicht dasselbe wie „DSGVO-konform".

Was du konkret tun kannst

Die gute Nachricht: Du bist nicht machtlos. Es gibt konkrete Schritte, um datenschutz-bewusst mit OpenClaw zu arbeiten.

1. Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen

Sowohl Anthropic als auch OpenAI bieten Data Processing Agreements (DPAs) für ihre API-Nutzung an. Wenn du personenbezogene Daten verarbeitest, solltest du diese abschließen. Das geht bei beiden Anbietern online.

2. Datenminimierung praktizieren

Überlege vor jeder Nachricht: Muss die KI wirklich den vollen Namen, die Adresse oder die Kundennummer kennen? Oft reicht anonymisierter Kontext.

  • Statt: „Schreibe eine E-Mail an Max Mustermann, Bahnhofstraße 12, 80335 München"
  • Besser: „Schreibe eine E-Mail an [Name], [Adresse]" — und fülle die Daten selbst ein

3. API-Nutzung statt Consumer-Produkte

Wichtig zu wissen: Bei der API-Nutzung von Anthropic und OpenAI werden deine Daten laut deren Richtlinien nicht für Modell-Training verwendet. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur kostenlosen ChatGPT-Webversion, wo Daten standardmäßig ins Training fließen können.

4. Lokale Modelle als Alternative

Für maximalen Datenschutz kannst du OpenClaw mit lokalen Modellen über Ollama verbinden. Dann verlassen keine Daten deinen Server. Der Nachteil: Lokale Modelle sind aktuell deutlich weniger leistungsfähig als Claude oder GPT-4.

Technische Maßnahmen für sicheren Betrieb

Unabhängig von der API-Frage gibt es einiges, was du auf Server-Ebene tun kannst:

🔒 Verschlüsselung

TLS/SSL für alle Verbindungen (HTTPS). Festplattenverschlüsselung für den Server. SSH-Zugang nur mit Key-Authentication.

🔑 Zugangskontrolle

OpenClaw an eine bestimmte WhatsApp-Nummer / Telegram-ID binden. Firewall konfigurieren. Nur notwendige Ports öffnen.

🗑️ Löschkonzept

Automatische Löschung alter Chatverläufe einrichten. Logs regelmäßig rotieren. Definiere eine Aufbewahrungsfrist und halte sie ein.

📋 Logging

Protokolliere, welche Daten wann an welchen Provider gesendet wurden. Das hilft bei Auskunftsanfragen und im Zweifel bei einer Prüfung.

Vergleich: OpenClaw vs. ChatGPT vs. lokale Modelle

Wie schneidet OpenClaw im Datenschutz-Vergleich ab? Hier ein ehrlicher Überblick:

ChatGPT (Webversion)

  • Daten gehen an OpenAI (USA)
  • Können für Training verwendet werden (opt-out möglich)
  • Kein Self-Hosting möglich
  • Keine Kontrolle über Speicherung oder Löschung
  • Einfachste Nutzung, niedrigste Kontrolle

OpenClaw (Self-Hosted + Cloud-LLM)

  • Server unter deiner Kontrolle (EU möglich)
  • API-Calls gehen an Anthropic/OpenAI (USA)
  • Daten werden NICHT für Training verwendet (API-Nutzung)
  • Volle Kontrolle über Logs, Chatverläufe, Löschung
  • Mittlerer Aufwand, deutlich mehr Kontrolle

Lokale Modelle (Ollama + OpenClaw)

  • Keine Daten verlassen den Server
  • Volle DSGVO-Kontrolle möglich
  • Deutlich schwächere Modelle (Stand 2026)
  • Braucht leistungsstarke Hardware (GPU)
  • Höchster Aufwand, höchste Kontrolle

Unser Take: Für die meisten Nutzer bietet OpenClaw mit Cloud-LLMs den besten Kompromiss aus Leistung und Kontrolle. Wer maximalen Datenschutz braucht, sollte lokale Modelle evaluieren — aber mit realistischen Erwartungen an die Qualität.

Datenschutz-Checkliste: 10 Punkte für bewussten OpenClaw-Betrieb

Geh diese Liste durch, wenn du OpenClaw datenschutz-bewusst betreiben möchtest:

  1. Server-Standort wählen: Hoste deinen OpenClaw-Server in der EU, idealerweise in Deutschland.
  2. AVV abschließen: Data Processing Agreement mit Anthropic und/oder OpenAI unterzeichnen.
  3. Verschlüsselung aktivieren: TLS für alle Verbindungen, Festplattenverschlüsselung für den Server.
  4. Zugangskontrolle einrichten: SSH-Keys, Firewall, OpenClaw an deine Accounts binden.
  5. Datenminimierung praktizieren: Keine unnötigen personenbezogenen Daten an die KI senden.
  6. Löschkonzept definieren: Wie lange werden Chatverläufe gespeichert? Automatische Löschung einrichten.
  7. Verarbeitungsverzeichnis führen: Dokumentiere, welche Daten wohin fließen (DSGVO Art. 30).
  8. Informationspflichten erfüllen: Wenn du OpenClaw für andere bereitstellst, informiere sie über die Datenverarbeitung.
  9. Regelmäßig updaten: OpenClaw und das Betriebssystem aktuell halten — Sicherheitslücken schließen.
  10. Lokale Modelle evaluieren: Prüfe regelmäßig, ob lokale Alternativen für deinen Use Case ausreichen.

Häufig gestellte Fragen

Mehr Kontrolle über deine KI

OpenClaw gibt dir die Kontrolle zurück — über deinen Server, deine Daten, deine Chatverläufe. Kein DSGVO-Versprechen, aber die beste Grundlage für datenschutz-bewussten KI-Betrieb.

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